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Haiku und Tanka, Jotin, 25.04. bis 22.05. 2011: Wahrnehmung und Ursprung des Heiligen!

Sonntag, April 24th, 2011

Wahrnehmung und Ursprung des Heiligen! 

Der evangelische Theologe und Religionswissenschaftler Rudolf Otto hat mit seinem Hauptwerk „Das Heilige“ das Verständnis von Religion im 20. Jahrhundert erneuert. Durch Reisen nach Indien, Sri Lanka, China, Japan, den nahen Osten und Afrika wurde Ottos Interesse für die Religionen der Welt geweckt, insbesondere für den Hinduismus. Er erklärt die Erfahrung des Numinosen zum Zentrum aller Religionen. Wie andere vor ihm betont er, dass eine Religion nicht auf ihre rationalen Aussagen beschränkt ist, sondern vielmehr ein Moment in sich hat, dass sich dem Rationalen entzieht und einer begrifflichen Erfassung unzugänglich ist. Dies sieht er als das „eigentliche Innerste“ einer Religion, ohne das es keine Religion gäbe. Otto nennt dieses Moment das Numinose und spricht von einer numinosen Deutungs- und Bewertungskategorie sowie einer numinosen Gemütsgestimmtheit, wenn etwas als numinos vermeint worden ist.

Der Autor dieses Weblogs setzt sich im Folgenden mit Momenten auseinander, die er als numinos oder heilig „wahrnimmt“.

Für ihn ist das numinose Moment vor allem ein Gefühl der Scheu und der Ehrfurcht sowie das Gefühl, dass verborgen etwas vorhanden ist, das eine höhere Realität (und Macht) besitzt als alles, was normalerweise als real bezeichnet wird.  

Auch die Radiästhesie, das Rutengehen, liefert einen Beitrag zur Wahrnehmung des Heiligen. In der Radiästhesie ist das Messinstrument der Mensch, das Pendel, die L-Rute, Lecher-Antenne oder Bio-Sensor ist „lediglich“ der Anzeiger, dessen Ausschlag zeigt, wie ein Mensch auf das feinstoffliche Energiefeld reagiert, in das er sich hinein bewegt oder mit dem er sich auf andere Weise in Verbindung setzt. Notwendig ist in der Regel, dass er sich vorher auf das, was er wahrnehmen bzw. muten möchte, einstimmt oder dafür sensibilisiert. Bei starken Feldern schlägt das radiästhetische Instrument allerdings auch aus, ohne dass er sich vorher auf das, was er wahrnehmen möchte, einstimmt. Energie-Felder mit hoher Intensität, wie starke Felder des Heiligen, können auch andere Felder überdecken, so dass diese kaum  oder gar nicht mehr wahrgenommen werden können.

Auf der Lecher-Antenne wird die Abstimmlänge des Energiefeldes, das man wahrnehmen möchte, vorher mit einem Schieber eingestellt. Bekannt sind Abstimmlängen für Wasser-Adern, Verwerfungen (das sind Verschiebungen von Erdschichten gegeneinander), radioaktive Stoffe, Erze und viele andere Dinge wie auch für unterschiedliche Formen des Heiligen. Die Abstimmlänge einer auf einem Berg gelegenen Michaels-Kapelle hat z.B. einen anderen Wert als die Abstimmlänge einer Marien-Wallfahrtskirche. Desweitern kann auch die Stärke bzw. Intensität eines Energiefeldes radiästhetisch bestimmt werden und damit auch eine Aussage über den Wirkungsgrad einer heiligen Person wie Pater Pio, eines heiligen Objektes, Ortes oder Ritus im Vergleich zu anderen „heiligen Momenten“ gemacht werden. Mit Hilfe der Radiästhesie lässt sich das Heilige bis zum einem gewissen Grad quantifizieren, ohne dabei allerdings bis zu dem eigentlichen Wesen des Heiligen vorzudringen.

Im Folgenden sind Wesenheiten, Personen, Objekte, Riten und Plätze aus unterschiedlichen Religionen aufgeführt, welche der Autor dieses Weblogs als heilig „wahrnimmt“. Die Stärke der aufgeführten „Momente des Heiligen“ liegt dabei um wenigstens das Zweifache höher  als andere Momente, die der Autor als heilig wahrnimmt.

 

 

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Der Autor möchte mit der Ikone der Heiligen Dreifaltigkeit beginnen. Seit er sie vor Jahrzehnten zum ersten Mal sah, ist sie für ihn untrennbar mit der „Wahrnehmung“ des Heiligen verknüpft. Die Betrachtung des Originals in der Tretjakow-Galerie in Moskau war für ihn mehr als der Höhepunkt einer Russland-Reise. Die Ikone der Heiligen Dreifaltigkeit ist Russlands berühmteste Ikone. Sie wurde von dem Maler Andrej Rublev Ende 14./Anfang 15. Jh. für das Dreifaltigkeitskloster, eines der geistigen Zentren der Russisch-Orthodoxen Kirche, geschaffen.

Andrej Rublev war einer der Schüler des heiligen Sergius von Radonesch, der das Dreifaltigkeitskloster und viele andere Klöster gegründet hat.

Die Ikone symbolisiert die Dreifaltigkeit anhand einer Szene aus dem Alten Testament: dem Besuch der drei Engelsboten bei Abraham und Sara. Die drei Engel sitzen um einen Tisch, auf dem ein Kelch steht. Der Tisch ist das Symbol für den Altar, der Kelch das Symbol für den Ritus der heiligen Eucharistie. Die drei Gestalten sind sich sehr ähnlich, aber nicht gleich. Der Engel, links vom Betrachter, hat die Hand zur Segensgeste erhoben. Die drei Figuren bilden mit ihren Silhouetten zusammen einen Kelch. Das Bild ist so angelegt, dass sich der Betrachter in das Geschehen einbezogen fühlt.

 

 

 

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Die heiligste Handlung in einem christlichen Gottesdienst ist das Abendmahl oder die Eucharistie. Jesus Christus soll dabei in den Gaben von Brot und Wein gegenwärtig sein. Mittelpunkt der Feier ist die Wandlung, in welcher Brot und Wein mit der feinstofflichen Kraft des Heiligen aufgeladen wird. Dies wird bewirkt durch das Herabsteigen einer höheren Wesenheit in der Wirklichkeit des Ewigen. Die Kraft der Heiligkeit kommt denjenigen zugute, welche die geweihten Speisen verzehren. Sie bewirkt Reinigung und Heilung und nachdem eine vollständige Reinigung erfolgt ist und Reinheit (von Schuld und anderen seelischen Belastungen) erlangt wurde, kommt es auch zu einer Heiligung. 

Wenn nicht die heilige Eucharistie gefeiert wird, geht die größte Kraft in einer Kirche von der Stelle aus, an der die geweihten Hostien aufbewahrt werden, dem Tabernakel. Andere Stellen, von denen eine große Kraft ausgeht, sind Reliquien oder auch eine Ikone oder ein Gnadenbild, die verehrt und vor der  gebetet wird.

 

 

 

 

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Von welcher Stelle geht die größte Kraft in anderen Religionen aus? 

Das jüdische Zentralmuseum in Prag besteht u.a. aus einer Synagoge, in der Ritual-Gegenstände der Synagogen aufbewahrt werden, die während der Besatzungszeit durch das „Dritte Reich“ zerstört wurden. Mit der Sammlung dieser Gegenstände wurde Ende 1942, also noch während der Besatzungszeit, begonnen.

Als der Autor während eines Prag-Aufenthaltes diese als Museum eingerichtete Synagoge besuchte, fragte er sich, wo hier der stärkste Platz sei. Daraufhin wurde er von einem Platz in der Mitte angezogen, der ihm in keiner Weise auffällig erschien. Als er näher heranging, bemerkte er, dass dort Rollen mit zwei Holzstäben in der Mitte aufgestellt waren. Es waren diese Rollen, von denen die Kraft ausging. Der Autor konnte sich keinen Reim darauf machen. Er wusste damals noch nicht, wie der Gottesdienst in einer Synagoge gefeiert wird.

Später erfuhr er, dass auf den Rollen, wie sie im Museum ausgestellt waren, die fünf Bücher Mose auf Pergament in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind. Sie werden Thora-Rollen genannt und bilden das Herzstück eines jüdischen Gottesdienstes. Eine Thora-Rolle wird während des Gottesdienstes auf einem Pult aufgeschlagen und es wird aus ihr „gelesen“. Der Text wird dabei nicht gesprochen, sondern gesungen. Am Thora-Freudenfest, dem 25./26.10. wird die Thora mit Singen und Tanzen gefeiert und dabei von den Anwesenden umher getragen. Danach beginnt die „Lesung“ von neuem.

Die stärkste Kraft in einer Synagoge geht anscheinend deswegen von den Thora-Rollen aus, weil sie das Herzstück des Gottesdienstes bildet und sich die Frömmigkeit der Juden mit der Thora-Rolle verbindet. Aufgrund dessen dürfte sich eine große Kraft in ihr ansammeln.

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Jude trägt Thora-

Widerschein des Heiligen

in Gesicht und Gang.

(auf einem Bild von Marc Chagall)

 

 

 

 

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Heilige Objekte im Buddhismus sind vor allem Buddha-Statuen und Reliquien, die verehrt werden, heilige Orte sind Pagoden, buddhistische Tempel und Tempel-Gärten, insbesondere Zen-Gärten. Das alltägliche Harken des Sandes im Zen-Garten ist ein wichtiges Ritual der in den Tempeln lebenden und arbeitenden Zen-Mönche. Ein heiliges Symbol ist das Mu-Zeichen, welches die GROSSE LEERE darstellt, mit der sich der Meditierende in der Meditation zu verbinden sucht, indem er das diskursive (schlussfolgernde) Denken soweit es ihm möglich ist, aufgibt. Die Große Leere ist voller Kraft, von welcher der Meditierende umso mehr aufnimmt, je mehr er sich in sie durch „Nichtdenken“ versenkt. Man kann die Große Leere auch als GOTT auffassen.

 

 

 

 

 

 

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Im Daoismus wird die Große Leere mit dem DAO gleichgesetzt. Vom DAO heißt es, dass es alle Dinge liebt und nährt, ohne sich zum Herren über sie zu erheben. Neben dem Daodejing  (früher Tao te King) zählt auch das das Weisheitsbuch des I-Ging zu den heiligen Büchern des Daoismus. Die Grundbausteine des I-Ging sind die acht Trigramme. Sie werden im Daoismus als die acht heiligen Trigramme bezeichnet. Eine große Kraft der Heiligkeit besitzt das im I-Ging verborgene DREIFALTIGE HIMMELSZELT, das man erhält, wenn man die 11 reinen Hexagramme des Himmels und ihre Partnerinnen graphisch darstellt (siehe Abbildung!). Reinheit war im Alten China eine Eigenschaft, die dem Himmel zukam. Die 11 galt als eine Zahl, welche dem Himmel vorbehalten ist. Die Ordnungszahlen der 11 reinen Hexagramme des Himmels sind auch nach heutigem Verständnis überwiegend Primzahlen.

(Aus: Das Dreifaltige Himmelszelt im Entschlüsselten I-Ging)

Der Autor war lange Zeit nur an starken Plätzen interessiert, an denen man mit Kraft aufgeladen wird, wenn man sich dort hinstellt. Wenn diese Plätze gleichzeitig auch heilig waren, hat er vielfach Scheu und Ehrfurcht empfunden, wie u.a. auch an Opferplätzen der Samen in Nord-Finnland. Er ist dann nicht näher herangegangen und hat sich auch nicht weiter damit befasst. Als er später etwas darüber zu erfahren suchte, was denn „Heiligkeit“ über die Kraft schenkende und Scheu und Ehrfurcht auslösende Wirkung hinaus bedeuten könnte, fand er die „Energien der Heiligkeit“ zunächst nicht, weder in geweihten Hostien, noch in Ikonen und Reliquien und auch nicht in Thora-Rollen. Er erhielt lediglich ein Signal von Stärke, wenn er sich für diese „heiligen  Dinge“ sensibilisierte. Er schien etwas falsch zu machen. Näherte er sich dem Heiligen nicht mit der diesem gebührenden Ehrfurcht? Wollte es sich von ihm nicht finden lassen? Schließlich kam er jedoch einen Schritt weiter. Das „Signal der Heiligkeit“ ging nie von dem „heiligen Objekt“ selber aus, sondern von etwas, das sich ein Stück darüber aufhielt. Der Autor war fasziniert. Das war eigenartig. Welche verborgenen Zusammenhänge taten sich hier auf?

Heilig sind in den verschiedenen Religionen offensichtlich die Dinge, die von den Anhängern in ihren heiligen Riten „verwendet“ werden. Man könnte den Schluss ziehen, dass es die Menschen sind, welche die Kraft der Heiligkeit in ihre heiligen Dinge hineinlegen. Das wäre aber ein Irrtum, und zwar sogar in doppelter Hinsicht. Es sind nämlich tatsächlich höhere jenseitige Wesenheiten, welche die Kraft der Heiligkeit zu den Menschen herab bringen, wie der Autor immer wieder beobachten durfte. Bei den von den Menschen vollzogenen heiligen Riten steigen sie herab und übertragen die Kraft der Heiligkeit nicht in die Dinge selber, sondern auf die Geistwesen, die mit den rituell verwendeten Objekten und Orten verknüpft sind und gewöhnlich über diesen schweben.

 

 

 

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