Archive for Dezember, 2010

Haiku und Tanka, Jotin, 03.01. bis 23.01. 2011: Steigen Engel vom Himmel herab, um auf der Erde zu wirken?

Freitag, Dezember 31st, 2010

Steigen Engel vom Himmel herab, um auf der Erde zu wirken?

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Steigen Engel vom Himmel herab, um auf der Erde zu wirken?

  

Auf Jakobs Himmelsleiter steigen Engel auf und nieder. Wer Jakobs Vision für wahr hält, wird nicht daran zweifeln, dass Engel vom Himmel herabsteigen. Die Berichte der Bibel, in denen von Engeln die Rede ist, dürften zumindest zum Teil auf Erfahrung beruhen. Menschen, die Geistwesen „sehen“, begegnen mitunter auch Wesen, die sie als engelhafte Wesen wahrnehmen. Dies können Schutzgeister sein, Wesenheiten, die dem Menschen bei seiner Geburt in dieses Leben sowie bei seiner Rückkehr helfen, Wesenheiten, die mit religiösen Riten zu tun haben oder andere. Insbesondere bei seiner Rückkehr auf die andere Seite ist der Mensch allem Anschein nach in besonderem Masse auf die Hilfe engelhafter Wesenheiten angewiesen, wenn die Rückkehr gelingen soll. Hier auf der Erde stehen ihm auch andere Wesenheiten als Schutzgeister zur Seite. Wegen seines freien Willens sollen Engel dem Menschen nur helfen können, wenn sie darum gebeten werden. Auf keinen Fall werden sie ihm helfen, wenn er eine solche Hilfe ablehnt. Die Vereinbarung von Hilfe ist in von vielen, insbesondere religiösen Menschen schon grundsätzlich getroffen worden.

Die Frage nach den besonderen Merkmalen, durch die sich engelhafte Wesenheiten von anderen Geistwesen unterscheiden, ist nicht so einfach zu beantworten. Auf jeden Fall scheinen es Lichtwesen zu sein, also Wesen, die auf der feinstofflichen Ebene Licht ausstrahlen, sich also durch ihre Aura von anderen Geistwesen unterscheiden. Allerdings ist nicht jedes Lichtwesen auch ein Engel. Die höheren Hierarchien der Naturgeister nimmt der Autor allerdings als engelhafte Lichtwesen wahr.

Engel sind Helfer der Menschheit und überhaupt des Lebens auf der Erde. Die Planung des Geschehens auf der Erde erfolgt in großem Umfang durch engelhafte Wesenheiten auf der anderen Seite.

In der Bibel wird ein Kampf zwischen Erzengel Michael und seinen himmlischen Heerscharen mit Luzifer und dessen Anhängern geschildert. Aus diesem Kampf geht Michael als Sieger hervor und die Anhänger Luzifers gelten als besiegt. In Wirklichkeit dauert dieser Krieg jedoch immer noch an. Es sind vor allem Kämpfe zwischen  Engeln und Anhängern Luzifers um die Seele eines Menschen, also ein Krieg auf vielen Plätzen mit jeweils wenigen Kämpfern. An diesem Krieg sind insgesamt viele, sehr viele Engel beteiligt. Die Engel bilden sozusagen den Gegenpol zum Bösen. Mit dem Bösen ist nicht Nichtglauben gemeint, sondern Verstöße gegen das Moralgesetz in uns, insbesondere die grundsätzliche Abwendung davon. Das Böse ist notwendig, aber wenn es die Oberhand gewinnt und einen totalen Sieg davon trägt, ist die Existenz des Menschen auf der Erde wahrscheinlich gefährdet. Außerdem dürfte dann kaum noch eine spirituelle Höherentwicklung möglich sein.

Eine weitere Frage ist, ob engelhafte Wesen auch in Menschen inkarnieren. Wenn eine Weltreligion darauf beruht, dass Gottes Sohn Mensch geworden ist, dann sollten zumindest die Anhänger dieses Glaubens es für möglich halten, dass mitunter auch Engel als Menschen geboren werden. Wer in der Aura eines Menschen lesen kann, wird dort „Zwischenleben“ finden, die auf der anderen Seite, der Geistseite, stattgefunden haben. Wenn jemand auf der anderen Seite ein Engel war, dann ist dies in seiner Aura gespeichert. Man muss sich nur die Zwischenleben ansehen, was etwas schwierig sein kann, evtl. muss man nach verborgenen Informationen fragen. Durch Lesen in der Aura erfährt man, dass manche Menschen in einem oder mehreren Zwischenleben engelhafte Wesen waren. Dann gibt es auch Menschen, die vor ihrem Erdenleben nie etwas anderes als hochrangige Engel waren. Hierzu zählen nach Wahrnehmung des Autors Pater Pio, der heilige Hermann Josef, andere Heilige sowie Propheten des Alten Bundes wie Elia, sein Sohn Elisa und Henoch, der auch als Metatron bezeichnet wird, um nur einige zu nennen. Manche Sufis sowie fortgeschrittene Bodhisattvas aus dem Buddhismus nimmt der Autor ebenfalls als engelhafte Wesen wahr. Das scheint zu bedeuten, dass hier auf der Erde eine spirituelle Entwicklung bis hinauf zum Engel-Status und vielleicht noch darüber hinaus möglich ist. Eine spirituelle Höherentwicklung erfolgt übrigens auch mit Hilfe höherer engelhafter Wesenheiten.

 

 

 

 

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Man kann auch durch „spontanes Wissen“ erfahren, ob jemand ein engelhaftes Wesen war oder auch wenn sich eine engelhafte Wesenheit aus einer höheren Sphäre darauf vorbereitet bzw. darauf vorbereitet wird, in eine Familie hineingeboren zu werden, die sich ein Kind wünscht. Der Autor durfte dies in seinem Bekanntenkreis erleben. Wenn ein Engel als Mensch geboren wird, weiß er in der Regel nicht mehr, was er vorher war. Dieses Wissen kann jedoch später wiederkehren. Logisch erschließen zu wollen, ob jemand aus der Engel-Sphäre stammt, kann in die Irre führen. Andersartigkeit reicht nicht aus. Indigo-Kinder sind z.B. häufig in starkem Maße andersartig. Sich fremd unter den Menschen zu fühlen, kann darauf zurückzuführen sein, dass jemand zum ersten Mal als Mensch inkarniert ist und vorher ein Geistwesen des Meeres, eines Sees oder Flusses, der Luft oder der Berge war. Auch den starken Drang zu haben, anderen Menschen zu helfen und dies auch zu tun, reicht nicht aus. Der Autor konnte bei einigen Menschen in der Aura lesen, dass sie in ihren Zwischenleben Tierhüter-Geister waren. Diese Menschen zeichnen sich in der Regel durch eine große Liebe vor allem zu der Tierart aus, deren Hüter sie waren.

 

 

 

 

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Aber jetzt zu Elia, der nach der Wahrnehmung des Autors auf der anderen Seite ein hochrangiger Engel war, bevor er als Mensch geboren wurde:

 

 

Der Autor hat seit Jahrzehnten die Angewohnheit, auf Kultplätzen, uralten, alten und neuen, nach den Hüter-Geistern dieser Plätze zu fragen. Dabei kommt er auf jüdischen Kultplätzen, Gedenkstätten und Friedhöfen immer wieder mit einem Geistwesen oder auch einer Kraft in Verbindung, die sich als Elia ansprechen lässt. Es ist dies eine angenehme, aufbauende Schwingung, die sich nach dem Empfinden des Autors durch eine „aufrichtige, herzliche und gleichzeitig aufbauende Freundlichkeit“ von der Schwingung der Hüter-Geister anderer Plätze unterscheidet. Der Autor ist immer sehr von dieser besonderen Wirkung von Elia angetan und fragte sich, womit dies zusammenhängen könnte und insbesondere auch, warum die Schwingung über jüdischen Kultplätzen immer mit Elia in Resonanz ist, wo doch als der Hüter von Synagogen z.B. der Erzengel Michael gilt. Der Autor begann sich deshalb über Elia zu informieren. Je mehr er erfuhr, umso weniger wunderte er sich darüber, warum er auf jüdischen Kultstätten überall auf Elia stößt und warum seine Schwingung freundlich und aufbauend ist. Aber urteilen Sie selber:

Elia war ein biblischer Prophet, der im neunten Jahrh. v. Chr. in Israel (im Nordreich) wirkte. Sein Name bedeutet „Mein Gott ist der Herr JAHWE”. Er wirkte in einer Zeit der Auseinandersetzungen zwischen dem alten Baals-Kult und dem Glauben an Jahwe, den Gott Israels. Sein Anliegen war die ausschließliche Verehrung Jahwes. Nach der Bibel wird Elia in einem feurigen Wagen mit feurigen Rossen „gen Himmel” entrückt. Darum entstand im Judentum der Glaube, Elia sei nicht gestorben, sondern lebendig in den Himmel aufgenommen worden. Er gilt als der wichtigste Prophet nach Moses.

Elia wird als unsichtbarer Teilnehmer beim Havdalah Ritus am Ende des Sabbat sowie zum Passahfest und zu den Beschneidungsriten eingeladen. Es wird ein Stuhl für ihn bereitgestellt. Der Havdalah Ritus findet statt, wenn am Ende des Sabbat die Nacht anbricht und die neue Woche beginnt. Nach einem einleitenden Gebet werden vier Segen gesprochen, je ein Segen auf den Wein, die Gewürze und auf die Kerze, dann ein Segen auf die Trennung des Heiligen vom Weltlichen. Wenn man den Sabbat der Tradition gemäß gefeiert hat und den Übergang in den Alltag bewusst erlebt, dann soll man etwas von der geleisteten Seelenarbeit in die Routine des Alltags mit hinüber nehmen können und ihn so etwas erheben. Man soll daran arbeiten, die Verbindung zum Göttlichen auch im Alltagsleben aufrecht zu erhalten.

 Bei der Beschneidung ist Elia „wegen seines Eifers für den Bund des Herrn“ als unsichtbarer Ehrengast anwesend. Seine Wiederkunft wird im Judentum sehnlichst erwartet, sie bedeutet den Anbruch der messianischen Zeit (Prophet Maleachi 3, 23 – 24). Der genannte Prophet sagt: „Elia kommt, ehe der Tag des Herrn anbricht.“ Dass dieser Tag bald kommen werde, war Israels tägliches Gebet. Es ging dabei vordergründig um die Erlösung und die Freiheit Israels, bei der die Befreiung von Fremdherrschaft an erster Stelle stand. Jahwe sollte über die ganze Erde herrschen. Zu der messianischen Zeit gehörte auch, dass Tote auferweckt werden. Man erwartet(e), dass Elia diese und auch alle anderen guten Botschaften bringt. Auch aus dem Neuen Testament geht diese Erwartung hervor: Jesus wird gefragt, ob er Elia sei, Johannes der Täufer wird oft mit Elia verglichen.

Um Elia ranken sich viele Legenden. In einer davon erweckt er den verstorbenen Sohn einer Witwe durch Fürbitte wieder zum Leben. Der körperliche Kontakt des toten Sohnes der Frau zu dem lebenden Elia, der über eine große Lebenskraft verfügt, führt dazu, dass der Sohn wieder lebendig wird.

Über die Bedeutung von Elia auf einer tieferen Ebene erfährt man etwas von dem Mystiker und Lehrer Friedrich Weinreb (Friedr. Weinreb: Der Weg durch den Tempel, Tauros Verlag Weiler im Allgäu, 2000). Weinreb sagt über Elia folgendes:

„Vom Propheten Elia, der die Erlösung ankündigt, wird erzählt, dass er immer neue Überraschungen bringt. Er kündigt nicht ein einziges Mal die Erlösung an und dann ist sie da. Diese Erlösung ist auch etwas, das jeden Tag aufs Neue erlebt werden muss, weil es ein ewiges Erlöst werden ist: dass man die Dinge ewig in die Form der Einheit bringt….Erlösen ist darum ein ewiges, ein ständiges Geschehen, von dem man nicht sagen kann: Jetzt liegt es hinter mir…“…beim Passahmahl dem „seder“, erlebt man jedes Mal wieder den Auszug aus Ägypten, weil dann der Augenblick dieses Auszugs wieder da ist. Der „ofan“, das Rad der Ewigkeit, dreht sich und berührt dann diese Erde am Punkt des 15. Nissan, des Tages des Auszugs. Am „seder“, dieser Mahlzeit des Übergangs, gibt es immer einen mit Wein gefüllten Becher, den niemand benutzt. Es ist der Becher für Elia, der Gast ist, weil das Neue kommen wird. Man ist an dem Punkt, die eine Welt zu verlassen und zur anderen Welt zu gehen. Darum ist Elia überall gleichzeitig anwesend. Als Kind fragst du dann: Wenn er doch bei uns ist, wie kann er dann bei Menschen in New York oder wo auch immer sein? Die Antwort lautet dann: So darfst du das nicht sehen, denn dort, wo dieser Tisch in Wirklichkeit steht, dort sitzen wir alle zusammen.“ (Dies ist eine Erfahrung, welche der Autor dieses Weblogs in anderen Zusammenhängen viele Male machen durfte. An der Richtigkeit dieser Aussage von Weinreb gibt es deshalb für den Autor keinerlei Zweifel.)

„Hier ist alles zersplittert“, sagt Weinreb dann weiter, „darum ist Elia hier in jedem Splitter anwesend…“ „…Nach der Mahlzeit wird sogar die Wohnungstür geöffnet um Elia hereinzulassen…“

„…So versteht man hoffentlich, dass man Elia hier an jedem Ort und zu jeder Zeit hören und sehen kann, wenn man von der Möglichkeit des Übergangs von der einen zur anderen Welt wei߅“

Der Autor kann bestätigen, dass Elia an jüdischen Kultplätzen und damit auch an jedem anderen Platz auch von Nichtjuden wahrgenommen werden kann. Wenn man sich Mühe gibt und nicht in Eile ist, kann man ihn auch an jedem Ort und zu jeder Zeit „hören“ und „sehen“. Mit seiner Hilfe kann eine Verbindung zum Göttlichen hergestellt und mit in das Alltagsleben hineingenommen werden.

 

 

 

 

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Haiku und Tanka, Jotin, 13.12. 2010 bis 02.01. 2011: Die Geburt Gottes im tief versunkenen Menschen, der sich von allen Anhaftungen gelöst hat.

Sonntag, Dezember 12th, 2010

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Die Geburt Gottes im tief versunkenen Menschen, der sich von allen Anhaftungen gelöst hat.

Im letzten Weblog wurde geschildert, wie man auf die 7. Ebene, die Schöpfer-Ebene gelangt, um dort an der Erkenntnis- und Schöpferkraft des Ewigen teilzuhaben. Zu diesem Zweck wurden Reisen durch die 7 Himmel mit ihren 49 Palästen unternommen, wie sie auch schon von Rabbi Akiba und seinen Anhängern durchgeführt wurden.

Die Mystiker haben herausgefunden, dass man Gott auf dem Grunde seiner Seele finden kann. Von unterschiedliche Ebenen des Seins, wie sie von dem Autor und anderen erfahren werden, wird dabei nicht gesprochen. Lediglich die heiliggesprochene spanische Mystikerin Theresa von Avila macht hiervon eine Ausnahme. In ihrer Schrift »Die innere Burg« (1577) beschreibt sie die Seele als eine Burg, bestehend aus einem Diamant oder einem sehr klaren Kristall mit 7 zum Zentrum hinführenden Stufen oder Wohnungen. Eingangstor in die Innenräume der Seele ist das Gebet. Die ersten drei Wohnungen werden dem aktiven Gebet zugerechnet Das passive Gebet setzt in der 4. Wohnung ein. Es kann als eine vertiefte Meditationsstufe gesehen werden, in der das sogenannte diskursive Denken weitgehend unterbunden ist  Im Buddhismus ist dies eine der Stufen des Samadhi. Das passive Gebet führt über die Einheit mit Gott (unio mystica) zur 7. Wohnung, wo nach Theresa „die tief geheimnisvollen Dinge zwischen Gott und der Seele vor sich gehen“. Die zum Zentrum hinführenden „Stufen“ oder „Wohnungen“, bezeichnen jeweils den Grad, mit dem die Seele mit dem Urgrund des Seins, mit Gott oder in anderen Glaubensrichtungen dem DAO oder der buddhistischen Großen Leere in Verbindung tritt und sich hierdurch Wirkungen nach außen zeigen. In der 7. Wohnung findet dann die völlige „Einung“ der Seele mit Gott statt. Sobald diese „Einung“ geschieht, nimmt die Liebe zum Mitmenschen sehr schnell zu. Für Teresa ist die Nächstenliebe einer der Beweise der Echtheit mystischer Gotteserfahrung.Eine Übereinstimmung mit den sieben Ebenen des Seins nach den Unterscheidungen des Autors dieses Weblogs besteht insofern, als sich die Verbindung der Seele mit dem Urgrund des Seins oder Gott nach Theresa von Avila sowie nach den Erfahrungen des Autors umso enger gestalten kann, je höher die Ebene ist, auf die man gelangt. Auf der siebten Ebene bzw. der höchsten Ebene, der Schöpfer-Ebene oder Ebene des Ewigen ist die engste Verbindung möglich. Der Meditierende erfährt dort in tiefer Versenkung den größten Energie-Zuwachs. Auch sind dort die sich nach außen zeigenden Veränderungen am auffälligsten. Wenn die Verbindung zur siebten Ebene, der Ebene des Schöpfers, auch außerhalb der Meditation aufrecht erhalten wird, dann begegnet man seinen Mitmenschen sowie der übrigen Schöpfung, belebten wie anscheinend leblosen Dingen (tatsächlich sind alle Dinge beseelt) wie von selbst wesentlich liebevoller.

Der Autor kann dies zu seiner anfangs großen Verwunderung auch bei sich beobachten, wenn er, soweit ihm dies möglich ist, die Verbindung zur siebten Ebene im Alltagsleben eine Zeitlang aufrecht erhält.  

Der Theologe und Mystiker Meister Eckehart lehrt, dass es in der menschlichen Seele einen Ort gibt, nämlich den Seelengrund, an dem Geschöpf und Schöpfer einander treffen und sich miteinander vereinigen können. Die Vereinigung der Seele mit Gott nennt Meister Eckehart die Geburt Gottes im Menschen. Gleichzeitig ist sie nach Eckehart auch die Geburt des Menschen in Gott. Voraussetzung für diese Geburt ist, dass sich die Seele in Gelassenheit und Abgeschiedenheit von der Gebundenheit an die äußeren Dinge der Welt gelöst hat. Ja, selbst das eigene individuelle Bewusstsein muss preisgegeben werden. Dann kann Gott gar nicht anders, wie Eckehart sagt, als sich mit der menschlichen Seele zu vereinigen. „Im nämlichen Augenblick aber, wo mir meine Persönlichkeit entgleitet“, heißt es in einer seiner Predigten,

“überflutet mich die Fülle des Lebens; Erkenntnis, Freude, Liebe. Ich bin Gott in Gott…“

Eckehart weiß von einer „Kraft“, von der Wirkungen ausgehen, die durch keine menschliche Aktivität zu ersetzen sind.

„In dieser Kraft ist Gott ohne Unterlass glimmend und brennend mit all seinem Reichtum, mit all seiner Süßigkeit und mit all seiner

Wonne.“

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Auch die Taoisten kennen die Verbindung mit dem Urgrund des Seins bzw. dem Absoluten, im Tao-te-king TAO genannt. In tiefer Versenkung wird TAO als ewig, spontan, namenlos, unbeschreiblich, wunderbar und tief erlebt. Taoisten sprechen mit der gleichen Begeisterung vom TAO wie Meister Eckehart von Gott. Ebenso soll auch in der Stille das Ich zu TAO werden und TAO zum Ich, wenn beide auch nicht identisch sind. Das Erreichen des TAO wurde von dem altchinesischen Philosophen und Dichter Zhuangzi  folgendermaßen gepriesen:

Sie zu erreichen (die Kraft des TAO), ist höchte Schönheit und höchste Seligkeit…“

In „Die Erfahrung der Goldenen Blüte“, einem Basistext taoistischer Meditation aus dem China des 12. Jahrhunderts (O.W. Barth Verlag, 2000) heißt es (auf Seite 130): 

„In der Stille finden Geist und Gefühl zu tiefer und bleibender Heiterkeit und Fröhlichkeit, als wären sie berauscht und neu gebadet. Dies bedeutet, dass der ganze Körper von Yang und Harmonie erfüllt ist, wie ein heller Frühlingstag. Dies ist das Knospen der Goldenen Blüte.“

In dem genannten Text ist auch näher beschrieben, wie der Mensch mit dem TAO in Einklang kommen kann. Der taoistische Weg ist dem der christlichen Mystiker sehr ähnlich, wenn auch die Philosophie dahinter unterschiedlich ist. Auch bei den Taoisten spielt das „Sitzen in Stille“, die Meditation, eine große Rolle. Ebenso sollen auch alle äußeren Aktivitäten aufgegeben werden und der Geist sich aus seinen Verhaftungen und Verstrickungen lösen, die sich aus dem Wirken des unterscheidenden Bewusstseins ergeben. Die Goldene Blüte steht für das „Licht“ des reinen Yang, das erfahren wird, wenn das unterscheidende Bewusstsein, das reine Yin, frei von allen Anhaftungen an die äußere Welt in tiefer Meditation versunken ist.  Die Erklärung dafür, warum eine Verbindung mit dem Urgrund des Seins, dem TAO, zustande kommen kann, ist in der altchinesischen Mystik folgende: Der Geist (shen) unterteilt sich nach taoistischer Vorstellung in den Geist des unterscheidenden Bewusstseins und den sogenannten Ur-Geist, das ist der Geist des harmonischen, dynamischen TAO-Mysteriums, das den ganzen Kosmos durchdringt. Es geht darum den Urzustand des Geistes, da er dem Ur-Geist gleich war, wiederherzustellen. Dann kann das Licht des Urgeistes aufscheinen und den Menschen zu TAO verwandeln. Dazu muss der Geist aus seinen Anhaftungen an die Dinge der Welt befreit werden, in die ihn der Geist des unterscheidenden Bewusstseins, die Yin-Seele, verstrickt hat. Außerdem muss bei höchster Aufmerksamkeit alles (schlussfolgernde) Denken überwunden werden. Dementsprechend wird das TAO auch wie von den Buddhisten als die große Leere des Weges erfahren, deren (feinstoffliche) Energie allerdings unerschöpflich ist. Die chinesische Mystik ist eng mit dem I-Ging verflochten, dessen 64 Hexagramme letztlich alle zum TAO, dem Weg bzw. der kosmischen Ordnung zurückführen sollen. Das Orakelwesen hat die Mystik beeinflusst und die Erfahrungen der Mystiker sind umgekehrt auch in das I-Ging eingeflossen. Ein Beispiel hierfür bildet Hexagramm 30. Die folgende Deutung dieses Hexagramms wurde in verkürzter Form dem Buch „Das Dreifaltige Himmelszelt im Entschlüsselten I-Ging“ entnommen.  

  

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Die Ordnungszahl 30, mit der das Hexagramm im I-Ging erscheint, besteht aus einer Drei und einer Null. Die Drei war im Alten China die Zahl des Menschen. Mit der Null wurde das TAO bezeichnet (die „Leere“, welche den Wert einer Zahl verzehnfacht, wenn eine der neun anderen Ziffern davorsteht.) In den Jahrhunderten vor dem Beginn unserer Zeitrechnung, in der das I-Ging seine heutige Form erhielt, wurde in China bereits mit dem Zehnersystem sowie der Null gerechnet, allerdings wurde die Null auf eine andere Weise dargestellt als heute. In der Ordnungszahl 30, mit der Hexagramm 30) „Das Ausstrahlen, Helligkeit, Feuer“ im I-Ging erscheint, verbinden sich also sozusagen Mensch und TAO. Da das Hexagramm selber „Das Ausstrahlen“ darstellt, wird durch die Verbindung von Mensch und TAO das Ausstrahlen geboren, nämlich ein allseitig ausstrahlendes Licht, das Klarheit und Bewusstsein verbreitet und auch als Erleuchtung bezeichnet wird. Das Doppelzeichen Feuer, Hexagramm 30, kann als Symbol dafür angesehen werden, was geschieht, wenn sich der Mensch über längere Zeit hinweg in tiefer Versenkung mit dem TAO verbindet. In Basistext taoistischer Meditation „Die Erfahrung der Goldenen Blüte“ wird auch gesagt, dass hierdurch das „Geistfeuer“ entfacht wird.

Wer einen spirituellen Weg geht, beginnt schließlich auf der feinstofflichen Ebene zu „strahlen“. Der Heiligenschein um den Kopf kann als Zeichen hierfür aufgefasst werden. Heilige bzw. Erleuchtete wurden sowohl im Christentum als auch im Buddhismus auf diese Weise dargestellt. In den östlichen Kulturen war auch eine Aureole um den Körper insgesamt üblich. Der Heiligenschein bzw. die Aureole bedeutet, dass der Mensch, der auf diese Weise dargestellt wird, sich auf der feinstofflichen Ebene in ein „Lichtwesen“ verwandelt hat, dessen Ausstrahlung Menschen in seiner Umgebung positiv beeinflusst und ebenfalls verwandelt. Walter Ötsch, ein Wissenschaftler, der sich mit diesem Thema befasst hat, vertritt eine ähnliche Auffassung. Er schreibt:„Der Heiligenschein auf mittelalterlichen Bildern ist nicht nur eine Aussage des Malers: „Diese Person, die da gemalt wird, ist eine heilige Person“; sondern Ausdruck einer kollektiven Wahrnehmungs-Form, die der Maler mit seinen Zeitgenossen teilt: bei manchen Menschen SIEHT und SPÜRT man intensive Ausstrahlungen. In ihrer Gegenwart FÜHLT man sich verwandelt. Sie strahlen eine besondere Atmosphäre aus, ein Fluidum umgibt sie. Man SIEHT ein Gesicht oder einen Körper und SPÜRT eine intensive Kraft, die nur vom Göttlichen kommen kann. Man erfährt die leuchtende Aura eines „Heiligen“, die man in einem Bild wiedergeben muss.“

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Wenn die Philosophie der fernöstlichen Mystik sich auch beträchtlich von der westlichen unterscheidet, so sind die religiösen Erfahrungen jedoch ähnlich. Dies geht auch aus den folgenden Beobachtungen hervor:

Ein Jesuitenpater, der Ire William Johnston, der Sommer 1968 an einer Begegnungswoche zwischen Christentum und Buddhismus in Kyoto teilnahm, schrieb hierüber folgendes:

„Als wir nämlich unsere Vorschläge, auf die wir uns geeinigt hatten, formulieren wollten, schien es nicht eine einzige philosophische oder theologische Lehre zu geben, die wir gemeinsam vertraten. Eine unüberbrückbare Kluft schien diejenigen, die an eine Seele, an ein Absolutes und die Objektivität der Wahrheit glauben, von denen zu trennen, die vom Nirvana, dem Nichts und der Leere sprachen.Dass wir dennoch vieles gemeinsam hatten, bewies die Atmosphäre des Sichverstehens und der taktvollen Liebe, von der diese Woche durchdrungen war. Sehr bald wurde uns klar, dass es nicht die Philosophie war, die uns verband, sondern die religiöse Erfahrung. In den philosophischen Formulierungen trennten uns Welten voneinander. Sobald es aber um Werte ging wie Meditation, Armut, Demut, Dankbarkeit, Gewaltlosigkeit und Liebe zum Frieden, waren wir uns einig. Es war in der Tat erstaunlich, dass solch unterschiedliche Philosophien derart ähnliche Erfahrungen hervorbringen.“

 

  

 

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