Nebel in einer Baumkrone! (eigenes Photo)
409
Wolkenverhangen
der Nachthimmel, die Erde
in Nebel gehüllt.
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In ihr weiß wallend
Gewand gehüllt, schwebt Tefnut,
die Nebelfrau, aus
Wolken herab zur Erde.
Tautropfen säum´n ihren Weg.
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Durch das Tal wandelt
die Nebel-Fürstin Tefnut.
Man streut Tauperlen!
I
Tefnut: In Ägypten Tochter des Sonnengottes und Gemahlin des Luftgottes Schu. Sie und ihr Volk leben von der Umwandlung von Wasserdampf in Wassertröpfchen, das sind Wolken, Nebel oder Tau.
Wasser verwandelt sich in Dampf, wenn dem Wasser (hauptsächlich von der Sonne) Wärme zugeführt wird. Wenn dann der Dampf in der Form von Wolken, Nebel oder Tau wieder zu Wassertröpchen kondensiert, wird diese Wärme wieder frei. Es ist der feinstoffliche Anteil dieser freiwerdenden Energie, welche den Elben der Fürstin Tefnut als Nahrung dient.
Tefnut, die Göttin des lebensspendenden Taus, und Schu, der Luftgott, bringen die Zweiheit in die Welt. Mit diesem Paar beginnt nach mythologischer Vorstellung Alt-Ägyptens die geschlechtliche Fortpflanzung.
In dem finnischen National-Epos “Kalevala” heißt es in der ersten Rune:
“… Sturmwind wiegte dort die Jungfrau (aus den Lüften),
spielte mit der Maid die Meerflut,
in dem blauen Seegebiete
schaumgekrönter Wellenkämme:
weht der schwere Wind sie schwanger,
gibt das Meer ihr Mutterfülle. …”
Für die Liebe ist ebenfalls eine Göttin zuständig, die dem Wasser entstammt. Die Griechen haben ihre Liebesgöttin Aphrodite, die Meerschaum-Geborene, am ausführlichsten beschrieben. Aphrodite ist die Göttin der Liebe, des süßen Verlangens und der sinnlichen Lust. Sie trägt aber auch die Züge einer Urmutter. Für die Erde ist Aphrodite die Göttin der blühenden Natur und des segensreichen Wachstums. Der Begleiter von Aphrodite ist Eros. Eros ist für die Anziehung zwischen den Geschlechtern, Aphrodite für ihre Vereinigung zuständig. Eros und Aphrodite sind leibhaftig anwesend, wenn die Geschlechter von Liebe zueinander ergriffen werden und sich im Liebesakt vereinigen. Wenn Aphrodite in die Körper der Liebenden hineingeht, steigert sie die Liebe zu Rausch und Ekstase. Gleichzeitig verleiht sie den Liebenden größere Anmut und Schönheit. Ohne ihre Mithilfe können die absoluten Höhepunkte nicht erreicht werden.
Auch in die Mythen anderer Völker, der Inder z.B., ist die Beobachtung eingeflossen, dass Liebesgottheiten beim Liebesakt dabei sind. Krishna der “Vielgeliebte”sagt zu den tanzenden Gopi-Mädchen, dass er von nun an bei jedem Liebesakt, den Mann und Frau vollziehen, dabei sein wird.
Die mittelalterlichen Mönche wußten über die Wirkungsweise von Naturgeistern, welche Menschen in bestimmten Lebenssituationen stark beeinflussen und ihnen den Kopf verdrehen, ebenfalls gut Bescheid. Da diese Wesen sie in ihrem meditativen Leben störten, betrachteten sie sie als Dämonen, die es zu bekämpfen galt. Die schöne Aphrodite war für sie der “Dämon der Unzucht, der direkt in den Leib fährt und ihn in Brand steckt.” Dabei wären ohne die Mithilfe der Liebesgöttin die Menschheit und die höheren Tierarten wahrscheinlich gar nicht erst entstanden. Um die zwischen zwei Menschen bestehenden Mauern nieder zu reißen, damit sie in Paar bilden, eine Familie gründen und Kinder haben, bedarf es außergewöhnlicher Kräfte.
Die dämonische Seite der Aphrodite wird von manchen mit Lilith, der ersten Frau Adams, in Verbindung gebracht. In Goethes Faust warnt Mephisto den Faust vor ihren Verführungskünsten. Lilith ist auch eine Symbolfigur der Emanzipation.
!! :
412
Weiches Nebelgrau
umfängt die gelben Bäume.
Ganz still stehen sie.
413
Den ganzen Tag schon
ist es regnerisch und kühl;
es glänzt der Asphalt.